3. März 2009 Fötales Kälberserum wird zur Mangelware, die Suche nach Serum-Alternativen deshalb immer wichtiger

zet ist an vorderster Front dabei

Fötales Kälberserum (engl. fetal bovine serum, FBS) ist ein Nebenprodukt der Fleischproduktion und ist ein essenzieller Bestandteil vieler Nährlösungen, die zur Kultivierung von Zellen und Geweben dienen.

Wird bei der Schlachtung ein trächtiges Tier vorgefunden, wird dieses separiert, der Uterus mitsamt der noch ungeöffneten Fruchtblase herausgenommen und das fötale Blut mittels Herzpunktion abgesaugt. Diese Art der Rohserumgewinnung hat in den letzten Jahren schwere Bedenken bei Tierschützern hervorgerufen, da nicht immer gewährleistet ist, dass die fötale Blutabnahme unter ethisch akzeptablen Bedingungen erfolgt.

In einem kürzlich in der deutschen Biotechnologie-Zeitschrift „transkript“ (Heft 10/2008) erschienenen Artikel unter dem Titel „Rinderserum wird Mangelware“ wird erstmals vor einer möglichen Verknappung von FBS gewarnt. Durch ein Importverbot der EU für brasilianisches Rindfleisch sind die Fleischproduktion und die damit verbundenen Schlachtungen empfindlich zurückgefahren worden. Rund 70 % des in Europa verwendeten FBS stammen aus Brasilien. Wird weniger Rindfleisch produziert, fällt auch weniger FBS an. Lieferengpässe als auch empfindliche Teuerungen für FBS werden für die nächsten Jahre vorhergesagt.

Derzeitige Schätzungen gehen davon aus, dass in Forschung und Biotechnologie-Industrie weltweit jährlich 500.000 bis 1 Mio. Liter FBS benötigt werden, was der Tötung von bis zu 2 Mio. Rinderföten entspricht.

Um den weltweiten Bedarf an FBS zu reduzieren und damit das Leiden von Rinderföten zu verringern, wird seit Jahren intensiv nach Alternativen zum FBS gesucht. Auch bei zet werden derzeit zwei umfangreiche Projekte im zet-Life Science Laboratorium bearbeitet:

1. Die Errichtung einer Datenbank für serum-freie Zellkultursysteme und
2. die Erforschung von humanen Thrombozytenextrakten als Serum-Ersatz in der Zell- und
Gewebekultur 


Das Thrombozytenprojekt wird gemeinsam mit der Sektion für Physiologie der Medizinischen Universität Innsbruck unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Gerhard Gstraunthaler durchgeführt.
Prof. Gstraunthaler ist Mitautor mit Prof. Dr. Toni Lindl, München, des Lehrbuches zur „Zell- und Gewebekultur“, welches in der 6. Auflage im September 2008 erschienen ist.

 
Weiterführende Publikationen zu dem Thema:
Buch: Lindl T./Gstraunthaler G.: Zell- und Gewebekultur - Von den Grundlagen zur Laborbank, Spektrum Akademischer Verlag, 6. Aufl., 2008, XVI, 432 S. 117 Abb., Softcover
ISBN: 978-3-8274-1776-3 


Gstraunthaler G. Alternatives to the use of fetal bovine serum: Serum-free cell culture. ALTEX 20: 275-281, 2003.

Brunner D. et al. Serum-free cell culture: the serum-free media interactive online database. 15th Congress on Alternatives to Animal Testing – Linz 2008. 

Rauch C. et al. Alternatives to the use of fetal bovine serum: platelet lysates as serum replacement in cell and tissue culture. 15th Congress on Alternatives to Animal Testing – Linz 2008. 

Weitere Infos zu den Projekten des zet-LSL finden Sie hier


Bild: "Kälbchen": (c) Eric Isselee/fotolia, Bild "Petrischalen" (c) Chee-Onn Leong/fotolia