Beispiele von Tierversuchen für Kosmetik

Schleimhautverträglichkeitstest (Draize-Test)

Der Draize-Augenreizungstest ist ein seit 1944 angewandter Tierversuch in der Toxizitätsbestimmung, bei dem die Augen von Kaninchen verätzt werden (daher auch Kaninchenaugentest genannt). Er dient der Prüfung einer möglichen reizenden Wirkung von Chemikalien auf das Auge.

Der Test ist äußerst umstritten. Er konnte weitgehend durch den Hühnerei-Test an der Chorion-Allantois-Membran (HET-CAM) ersetzt werden. 

Namensgeber des Tests ist der amerikanische Toxikologe John H. Draize (1900–1992), der diesen Test 1944 entwickelte (Quelle:Wikipedia).

Das Testverfahren für Augenirritation ist zum toxikologischen Standardtest geworden. Allerdings sind Unzulänglichkeiten des Draize-Tests bereits seit langem bekannt:

- Die Beuteilung der klinischen Parameter am Kaninchenauge ist sehr subjektiv (nicht völlig normierbares Handling, subjektives Scoring).
- Zwischen verschiedenen Labors werden die selben Substanzen sehr unterschiedlich bewertet.
- Die Prädiktivität für Effekte am menschlichen Auge ist nicht gut.
- Die Tests können für Versuchstiere zu Stress und erheblichen Schmerzen führen.

Das Irritationspotential von Substanzen und Formulierungen wird in Europa offiziell nicht über MAS (Maximum Average Score)-Werte angegeben, sondern als R36 (Risiko von Augenirritation) oder R41 (Risiko schwerer Augenschäden). Die Bewertung fußt nnicht nur auf dem Draize-Test. Bisher haben offizielle Validierungsstudien aber keine alternative Methode als gleichwertig zum Draize-Test anerkennen können. Die Alternative sollte gute Vorhersagen für das menschliche Auge treffen können und vor allem eine gute Korrelation zum Draize-Test aufweisen. Das Testen von Substanzen am menschlichen Auge ist aus verständlichen Gründen aber fast nie möglich. Aus Mangel an Daten über die tatsächliche Wirkung am menschlichen Auge wurden alle neuen Testmethoden für Augenirritation bisher allein am Draize-Test gemessen. (Quelle:http://3r-training.tierversuch.ch)

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Hautreiztest

Mit dem Hautreiztest wird bestimmt, ob die Substanzen zu lokalen Hautreizungen führen können. Das Fell des Tieres wird an einer bestimmten Stelle rasiert. Die Testsubstanzen werden auf der Haut angebracht und ihre Auswirkungen werden während mehrerer Tagen beobachtet. (Quelle:http://lscv.ch/de/pages/kosmetika/tieren_tests.html)

Auch für diesen Test müssen meist Kaninchen herhalten. Dabei wird die zu testende Substanz auf einer geschorenen,  meist eingeritzten Hautstelle aufgetragen. Durch den Hautreizungstest können Hautreizungen, Entzündungen und Ekzeme entstehen. Sowohl beim Hautreizungstest als auch beim Schleimhautreiztest sind die Tiere entweder in einem Gestell eingespannt oder tragen Halsmanschetten bzw. abdeckende Verbände, damit sich die Kanichen nicht kratzen oder schlecken können.

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 Toxizität-Test (LD-50-Test)

Dieser Test wird bei der akuten, oralen Toxizität angewandt. Dies ist für die Tiere ein besonders schmerzhafter Versuch und gewährt auch gleichzeitig für den Menschen längst nicht die vorgegaukelte Sicherheit. Der LD 50-Test beinhaltet, dass eine Substanz in verschiedenen Dosen an die Tiere (meist Ratten und Mäuse, aber auch Hunde oder Affen) per Magensonde verabreicht wird. Je nach Menge des verabreichten Gifts winden sich die Tiere stunden- oder tagelang in Krämpfen, erleiden Durchfall, Fieber, Schüttelfrost oder Lähmungen.

Die Tiergruppe mit der höchsten Dosierung stirbt zuerst, während die Tiere, die eine niedrigere Dosierung erhalten haben, länger überleben. Es wird nun die Menge einer Substanz ermittelt, bei der genau die Hälfte der Tiere stirbt (LD = letale/tödliche Dosis bei 50 % der Tiere). Es werden 4 bis 5 Dosierungen an je 10 Tieren getestet, d.h. pro Substanz erleiden 40 bis 50 Tiere einen qualvollen Tod.

Im Jahr 1995 wurde der sog. Approximative LD 50-Test in die deutschen Arzneimittelprüfrichtlinien aufgenommen. Er beruht auf dem gleichen Prinzip, benötigt aber "nur" 20 - 40 Tiere, da nicht die exakte, sondern nur die ungefähre Dosis ermittelt wird. Trotzdem: Abgesehen von der besonderen Grausamkeit dieses Tests werden für die Ableitung der Ergebnisse die individuellen Unterschiede der Tiere hinsichtlich Haltungsbedingungen, Alter, Geschlecht, Zuchtlinie etc. außer Acht gelassen. Weitere Gründe für die geringe Aussagekraft des LD 50-Tests in Bezug auf den Menschen sind, dass z.B. mögliche Spätschäden nicht erfasst werden, da ausschließlich finale unspezifische Symptome dokumentiert werden. Es werden auch Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Konzentrationsschwäche bei einer schleichenden Vergiftung nicht dokumentiert. Ebenso wenig können chronische Vergiftungen in geringen Mengen, bei denen auch mehrere Substanzen gleichzeitig wirken können, durch den Tierversuch erfasst werden. Dies ist nur durch Dokumentation und Analyse "natürlicher Vergiftungsfälle" beim Menschen möglich.

Der LD 50-Test wird trotz seiner Grausamkeit noch von vielen Rechtsvorschriften verlangt, u.a. auch von den Richtlinien der OECD (weltweite Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), welcher praktisch alle Industrienationen angehören. Es wurden zwar erfreulicher Weise in den 90er Jahren 3 tierversuchsfreie Test-Methoden zum LD 50-Test von der OECD anerkannt (2 davon sogar von der EU), allerdings wird der LD 50-Test nach wie vor auch in Deutschland durchgeführt. Ein Hauptgrund hierfür liegt im globalen Handel. Denn alle Produkte, die für den Weltmarkt bestimmt sind, sind Tierversuchen unterstellt, die in allen möglichen Einfuhrländern verlangt werden. (Quelle: http://www.animal2000.de/thema/tv1.php)

Die gesetzliche Grundlage zum LD 50 Test finden sie hier.


 Bildquelle: Deutscher Tierschutzbund