Botox - Nervengift gegen Falten

 Was ist Botox?


Anti-Falten Behandlungen mit dem Nervengift Botulinum Toxin, kurz Botox, zählen derzeit zu den sanften Methoden von Schönheitsbehandlungen. Kaum ein Arzt, der nicht neben seinem blutigen Handwerk mit dem Skalpell auch die kleine Spritze anbietet. Ein kaum spürbarer Stich und nach wenigen Tagen scheinen die feinen Linien um die Augen und die Zornesfalten auf der Stirn wie ausradiert, weil die darunter liegende Muskulatur lahm gelegt wird. Da das Gift vom Körper langsam wieder abgebaut wird, hält die Wirkung nur für drei bis vier Monate vor.


Wie wirkt Botox?

Das Nervengift, das die Signalübertragung von den Nerven zum Muskel blockiert, hat es in sich: Botox ist die giftigste Einzelsubstanz, die derzeit bekannt ist. Nach Angaben von Toxikologen kann schon ein Nannogramm auf ein Kilogramm Körpergewicht tödlich wirken. Hochgerechnet heißt das: 0,000 000 07 Gramm des Giftes können eine 70 Kilogramm schwere Person töten.


Weil dermaßen mikroskopisch kleine Mengen des Nervengiftes eine so gefährliche Wirkung zeigen, ist es nicht einfach, die richtige Verdünnung für die gewünschte Wirkung herzustellen. Toxikologen nennen das „die Kunst des Standardisierens“. Als biologisches Produkt, das aus Bakterienkulturen gewonnen wird, unterliegt Botox ohnehin Schwankungen in seiner Konsistenz. Aufgrund dieser hohen Giftigkeit muss jede Produktionseinheit – das ist behördlich vorgeschrieben – auf Konsistenz und Intensität geprüft werden, bevor sie zugelassen werden kann. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn wird, damit eine Produktionseinheit in den Handel gelangen kann, entweder ein Tierversuch oder eine EU-weit anerkannte Alternativmethode verlangt.


Eine Reduktion der Tierversuche ist in Sicht


Unterstützt von der deutschen Stiftung zur Förderung von Alternativmethoden (set), arbeitet Bigalke derzeit an einer Methode, die in Zukunft der Qual von unzähligen Mäusen ein Ende setzen soll. Für jede Charge des Giftes, die geprüft wird, soll in Zukunft nur noch eine Maus sterben müssen - jedoch nicht unter Qualen. Das neue Verfahren funktioniert folgendermaßen: Einer narkotisierten und schmerzlos getöteten Maus wird der Atemmuskel entnommen. Dieser wird in einem Organbad dem Gift ausgesetzt. Der Muskel reagiert anfangs stark und bald zunehmend schwächer. Diese abnehmende Muskelreaktion wird in Relation zur Zeit gesetzt und kann schließlich als Maßeinheit zur Charakterisierung der Wirksamkeit des Giftes gesetzt werden. Vermutlich in einem Jahr soll diese Methode so weit ausgereift sein, dass sie EU-weit standardisiert werden kann. Dann könnte das neue Prüfverfahren eine Vielzahl von qualvollen Tierversuchen überflüssig machen.


Das gilt nicht nur für den ästhetischen Einsatz von Botox. In erster Linie wird das Nervengift nämlich als Medikament für über hundert verschiedene Krankheiten eingesetzt. Durch eine Blockade von Nervenimpulsen können unerwünschte Muskelanspannungen beseitigt werden. Etwa beim sogenannten Schiefhals, einer angeborenen Muskelerkrankung. Das Toxin wirkt sich ebenfalls auf die Drüsensekretion aus und kann übermäßiges Schwitzen regulieren.


Botulinum-Toxin - entwickelt als biologische Waffe


Die Geschichte des Nervengiftes Botox repräsentiert das Charakteristische von Giften schlechthin: Es ist immer die Dosierung, die letztlich eine Substanz zum Gift werden lässt. In den Sommermonaten können sich in verdorbenen Lebensmitteln die tödlichen Bakterien bilden, etwa in einer Wursthaut unter Ausschluss von Sauerstoff. In den vergangen drei Jahren sind in Deutschland im Schnitt zehn Personen jährlich an einer solchen Nahrungsmittelvergiftung mit Botulinum Toxin gestorben.
Ende des vergangenen Jahrhunderts wurde das Nervengift als biologische Waffe in den USA und England produziert und in Hochsicherheitsanlagen deponiert. Aus dieser Zeit stammen auch die Kenntnisse aus der Grundlagenforschung. Ein Arzt, der das Gift zur Behandlung eines Gesichtskrampfes einsetzte, hatte seine faltenglättende Eigenschaft –gewissermaßen als Nebenwirkung– festgestellt. Für medizinische und kosmetische Zwecke zugleich ist Botox derzeit nur in den USA zugelassen. Dort ist die Nachfrage in der Schönheitsindustrie in den vergangen Jahren rapide angestiegen.
In Deutschland hingegen liegt eine Zulassung für das Nervengift nur für medizinische Zwecke vor. Jede Anwendung von faltenglättenden Spritzen passiert auf eigenes Risiko, es gibt noch keine Studien über die Langzeitwirkung des Nervengiftes. Auch hier im Land will sich die Pharmaindustrie einen Markt im Bereich der Ästhetik sichern. Um den Einsatz von Botox als Kosmetikum voranzutreiben, ist man derzeit fieberhaft damit beschäftigt, Falten als Krankheit zu definieren.